Oliver Brandl - ein ganz normaler Kerl!

Geschrieben von tempelhofer. Veröffentlicht in Interviews

Den Anfang macht unser Forumsmitglied Jerzem (Oliver Brandl). Bei uns im Forum hat er sein aktuelles Werk LOWL vorgestellt (LINK). Bekannt geworden war er über sein Add-on „LOLO - Linz-Ost Flugplatz, Austria" (wir berichteten).

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1. Wer ist Oliver Brandl?

Hinter Oliver Brandl steckt im Prinzip ein ganz normaler Kerl mittleren Alters, dessen Leidenschaft die Natur (Radfahren, spazieren gehen im Wald, Bergsteigen, usw.), das Photographieren, sowie Computern (ich bau mir alles selbst) inkl. natürlich die Flugsimulation ist.

2. Wie kommt man auf die Idee ein Add-on Designer zu werden?

Hier muss ich sagen, dass ich zwar etwas designte, aber mich nicht als Designer sehe. Zum Designern kam ich eigentlich nur aus der Notwendigkeit heraus, dass es für die gewissen Plätze meiner Umgebung, leider keine Umsetzung für den FSX gab. So setzte ich mich hin und fing an das zu lernen, was für die Umsetzung meiner Ideen / Wünsche nötig war. So war z.B. GMax ein harter Knochen für mich, aber durch eine Eigenschaft von mir, welche Aufgeben nur in Ausnahmefällen kennt, war Aufgeben keine Option für mich. Der Schuss kann aber auch mal nach hinten losgehen *g. So aber schaffte ich es irgendwie mit diesem Programm umzugehen. Ich weiß bis heute oft nicht genau, wie ich dies oder jenes zusammen bringe, es sind manch Mal Geistesblitze in stillen Momenten die weiterhelfen. Ein echter Designer dagegen, weiß meiner Meinung nach aber sehr genau, was er tut.

3. Wie muss man sich das vorstellen ein solches Projekt zu beginnen und dann daran zu arbeiten?

Für mich beginnt alles mit dem Einfangen des Flairs des Platzes meiner Wahl. Das ist für mich deshalb wichtig, da mein Persönlichkeitsbild sehr der emotionalen Seite zugetan ist. So muss ich mich auf dem Platz wiederfinden können, mich dort wohl fühlen, es muss stimmig sein. Dazu ist es für mich wichtig vor Ort zu sein. Und dann geht es an die Photos des Platzes. Diese helfen mir dann im Laufe des fortschreitenden Projektes, nebst der Texturierung, auch eben dieses Flair wieder in Erinnerung zu rufen, damit ich den Platz dann auch so wiedergeben kann.
Danach fertige ich zuhause eine Zeichnung mit genauen Maßstäben an, welches mir sehr hilfreich beim Designern ist, da Design Programme eben nichts mit "ein bisschen weiter weg" oder "ein wenig höher" anfangen können. Hier muss ich mich nach Zahlen und Fakten richten. So "schustere" ich nach und nach meinen Platz zusammen und versuche dabei einen Konsens aus den Fakten (Zahlen und Maßstäben) und des Flairs zu finden.

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4. Seit wann betreibst du die Flugsimulation?

Alles fing damals am Commodore Amiga 500 an. Das war der, ich musste gerade im Wikipedia nachschauen, der FS2. Da flog ich noch mit einem Joystik mit Quartzwippe herum. Was anderes gab es damals noch nicht, bzw. war nicht erschwinglich. Später als ich meinen ersten PC hatte, war mein erster FS die Version 5.1.

5. Was fesselt dich an der Flugsimulation?

Mich fesselt an der Flugsimulation, dass ich mit Hilfe der unterschiedlichen Add-ons der Realität so nahe wie im FS möglich ist, kommen kann. Ich wäre gerne Pilot geworden scheiterte aber leider an meiner Farbnuanceschwäche.

6. Wie viel Zeit muss man für ein Projekt wie dein aktuelle s letzte aufbringen pro Tag?

Nun, das ist schwer zu sagen, oft arbeite ich Tage gar nicht daran, dann sitze ich wieder 6 Std. am Stück. Im Schnitt verbrachte ich etwa 1,5 Stunden pro Tag mit dem Projekt LOWL.

7. Wie ist das dann mit Familie und Freizeit?

Ich möchte mich nicht in der Computerarbeit verlieren, darum beende ich die Tätigkeiten immer, wenn etwas anderes ansteht. Ohne Ausnahme. So steht vor allem meine Familie und meine Zeit mit ihnen im Vordergrund und da ich nicht beruflich designe, begrenze ich auch die Stunden dafür. Und dann wird halt dieses oder jenes nicht so toll wie ich es gerne haben würde.

8. Was sind den deine FSX Pläne für die Zukunft?

Den FSX weiterhin für das verwenden, was ich im wirklichen Leben niemals werden kann. Als Pilot schöne Ziele selbst anfliegen zu können. So real wie möglich zu fliegen. Und noch diesen oder jenen Platz bauen zu dürfen. Und natürlich meine jetzigen Plätze weiter verfeinern. So läuft als kleines Gimmick in LOWL bei mir nun schon ein Igel in der Gegend herum.

9. Wie denkst Du geht es mit dem FSX weiter?

Ich denke, dass dem FSX (wahrscheinlich auch der FS9) ein ähnliches Schicksal bevorsteht, wie auch dem GP-Legends von Phoenix (eine Rennsimulation aus dem Jahr 1998) und Operation Flashpoint (Shooter aus dem Jahr 2001). Diese Spiele haben nach all den Jahren immer noch eine große Zahl von Anhängern, (sind immer noch Referenzen in der Physik Engine (GPL) sowie vom einzigartigen Genre (OPF)), Designer reizen die Engins so weit wie möglich aus, obwohl z.B. für GP-Legends bereits ein Patch installiert werden muss, da die heutigen Prozessoren zu schnell für diese Sim wären.

So lange keine andere relevante Flugsimulation auf den Markt kommt, wird der FSX die einzige Referenz sein, trotz seiner Mängel wie 32 bit und einer für die heutige Zeit schwachen Graphikengine. Der Vorteil des FSX als vorläufig letzter seiner Art ist aber auch, dass sich Designer immer wieder etwas neues einfallen lassen. Heute werden Techniken angewendet, die hätte es sicher nicht gegeben, wenn es einen FSXI gegeben hätte. Alle zwei Jahre gab´s einen neuen, d.h. wir wären heute bei der Nummer FSXIII und der wäre mit Sicherheit 64 bit und hätte die neueste Grafikengine. Hat natürlich seine Vor- und Nachteile.

Prepar3D wäre meiner Ansicht nach ein guter Kandidat als Nachfolger des FSX, aber ich habe keine Ahnung, ob LM den Quellcode auf 64 bit umschreiben kann, bzw. ob es möglich ist eine andere Grafikengine zu implementieren, damit der FSX (P3d) nicht mehr so CPU lastig ist. Schön wär´s. Ob dann noch die vielen Add-Ons funktionieren, ist dann wieder eine andere Frage. Mal auf 2.0 warten.

Vielleicht hat aber auch der X-Plane Zukunft, der ist doch neuer angepasst, nutzt die Grafikkarte (Grafikengine) viel besser aus ist schon 64 bit und ist auch von der Physikeninge her ganz was anderes, da er alles direkt berechnet und nicht wie der FSX auf Tabellen zurückgreift. Ich habe ihn aber noch nicht, da ich zu viele Add-ons für den FSX besitze und auf keinen Fall auf das geniale Tool EZ-Doc Camera verzichten möchte.

Was ich auf jeden Fall voraussetze für eine zukünftige Sim ist ein SDK (wie beim FSX). Damit ich auch etwas selbst designen kann.

Wir danken Oliver Brandl für dieses Interview.

Das Interview führte Jan-Ph. Heinisch