Thomas Zipfel - Der fliegende Designer

Geschrieben von Semirben | Daniel. Veröffentlicht in Interviews

Heute möchten wir euch unseren dritten Interviewpartner vorstellen, Thomas Zipfel. Thomas Zipfel ist gerade in den letzten Jahren, vielen in der Flusicommunity ein Begriff für detaillierte Umsetzungen von Kleinflugplätzen geworden. Sein Hauptaugenmerk hat Thomas dabei auf die Umsetzung deutscher Flugplätze gerichtet. Alle seine Werke entstehen nach fotorealen Vorlagen mit viel Liebe zum Detail. Im Zusammenhang der Veröffentlichung seiner aktuellen Arbeit, dem Flughafen Barth, führten wir ein kleines Interview mit ihm.

 1. Wer ist Thomas Zipfel?

Soviel gibt es zu meiner Person eigentlich nicht zu sagen. Ich bin 35  Jahre alt, bin berufstätig im Schichtdienst und lebe im Süden Sachsen-Anhalts und habe neben Familie und Beruf ein wohl nicht für jederman nachvollziehbares Hobby.


2. Wie kommt man auf die Idee ein Add-On Designer zu werden?

Ich glaube man kommt nicht von heute auf morgen auf die Idee, Designer zu werden, es handelt sich da eher um einen längeren Prozess.

Ich persönlich kam zum Szeneriebau wie die Jungfrau zum Kind. Angefangen hatte es mit einer Bemahlung für den EC135 von Nemeth Design, dem ich die Textur vom Christoph 70, der in Jena Schöngleina (EDBJ) stationiert ist, verpasste.

Kurz darauf bin ich auch zufällig am selben Flugplatz vorbeigekommen. Dort habe ich aus einer eher ungünstigen Position ein paar Fotos  gemacht. Erst später bin ich durch Zufall auf das Freewareprogramm Gmax aufmerksam geworden. Das, was ich in einigen Videos gesehen habe, fand ich interessant und habe angefangen mich damit zu beschäftigen.

Nach unzähligen Videos und Tutorials habe ich damals mein erstes einfaches Objekt gebaut. Dann folgten noch einige weitere, kleinere Sachen, bevor es erstmalig an die ersten Gebäude ging. Mir sind die Bilder aus Jena wieder eingefallen und so entstand, mehr schlecht als recht, mein erster Flugplatz, der damals nur aus den  Gebäuden und einigen Objekten bestand.

Ich dachte da damals wohl eher an eine gewisse Unabhängigkeit, man könnte entweder warten bis irgendwann mal, der eine oder andere Platz in meiner  Region von jemanden gebaut würde, oder man bleibt dran und versucht sich selbst. Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden.


3. Wie muss man sich das vorstellen ein Projekt, wie beispielsweise Barth, zu beginnen und dann daran zu arbeiten?

Der Flugplatz Barth war von mir keinesfalls geplant, es entstand aufgrund einer Mail.
Nach dem ich EDVT Ithwiesen, entstanden durch die Anfrage eines auf diesem Platz ansässigen Realpiloten, zum Download gestellt hatte, erhielt ich eine E-Mail mit positiven Feedback und einer schlecht versteckten Umschreibung, das eben Barth im FSX auch nicht berücksichtigt wurde. So gab es erst einmal regen Schriftverkehr, dazu aber später mehr.


4. Seit wann betreibst du die Flugsimulation?

Meinen Erstkontakt hatte ich damals auf dem Commodore C64, keine Ahnung, wie das Programm hieß. Es gab ein Flugzeug und eine angedeutete Piste und der Begriff "Simulation" war auch nicht zutreffend.

Irgendwann um 1995 wurde ich auf den damaligen Simulator von Microsoft aufmerksam, hielt das ganze aber nur für ein Spiel und habe das eher oberflächlich betrachtet und der ganzen Geschichte auch nicht wirklich Aufmerksamkeit geschenkt.

Im April 2010 sollte sich dann mit einem Mal alles ändern. Es waren die jährlichen Flugtage in EDBL Laucha und ich bin mit der Entscheidung, mich zum ersten Mal in meinem Leben in ein reales Flugzeug zu setzen, und zum ersten Mal zu fliegen, auf diesen Platz gefahren.

Diese Entscheidung hat mich buchstäblich infiziert und so vergeht kaum ein Tag, an dem es sich nicht in irgendeiner Weise um die Fliegerei dreht.

Das Erste was ich gemacht habe, als ich wieder zu Hause war, war die Installation des MSFS 2002 und die Recherche nach der Möglichkeit das ganze Online zu betreiben, da ich von IVAO und Vatsim schon gehört hatte. Aber durch Zufall bin ich auf das Forum der FS-Piloten aufmerksam geworden und bis heute dort tätig.


5. Was fesselt dich an der Flugsimulation?

Nun, es ist nicht zwangsläufig die Simulation, die mich fesselt, sondern die Fliegerei allgemein.
So nutze ich natürlich jede Möglichkeit die sich mir bietet, reale Flüge zu absolvieren. Der Vorteil nach intensiver Beschäftigung mit dem Simulator, zahlt sich spätestens dann aus, wenn man nicht nur als Fluggast, sondern zunehmend als aktiver Copilot auch mal das Flugzeug übernehmen kann bzw. darf. Da mein Heimat-Forum sowohl über einen eigenen Flugserver als auch eine Flugschule, unter Leitung eines realen GA Piloten, verfügt, lernt man im Laufe der Zeit sehr viel, was man auf nur virtueller Basis wohl außer Acht lassen würde.
   

6. Wie viel Zeit muss man pro Tag für ein Projekt wie dein aktuelles/letztes aufbringen?

Das ist eine gute Frage. Ich versuche bei einem Projekt entweder vor oder nach der beruflichen Tätigkeit ca. 2-3 Stunden am Projekt zu arbeiten, aber an Wochenenden können es schon mal 6 bis 8 Stunden werden. Dennoch kann es vorkommen, dass es entgegen der Platzgröße, dann doch 2 bis 3 Monate bis zur Fertigstellung dauert.


7. Wie reagieren deine Freunde und Familie auf deine "Arbeit" ?

Da teilen sich die Meinungen. Einige verfolgen das Ganze und versorgen mich auch mit Bildern oder Infos, rund um die Fliegerei, und andere halten die Simulationsgeschichte für Spielerei.
 

8. Was werden deine nächsten Projekte werden?

Aktuell stehen 2 kleine Plätze auf meinem Plan, zum Einen ein kleiner GA Platz in Thüringen, den ich kürzlich besucht habe, und zum Anderen ein Segelflugplatz, auf den ich im Urlaub aufmerksam geworden bin. Weitere werden sich ergeben. Es stehen ja noch die Updates für die älteren Plätze an. Ich denke als Designer entwickelt man sich und irgendwann hat man seine Handschrift und Technik. So möchte ich die älteren Plätz gern auf den für mich aktuellen technischen Stand bringen.


9. Wie denkst Du geht es mit dem FSX weiter?

Ich denke der FSX wird uns noch sehr lange begleiten, wie auch der FS2004, der seine Liebhaber hat. Ich selbst befasse mich nun recht intensiv mit dem FSX und lerne so die guten und schlechten Seiten von ihm kennen, und damit zu leben und zu arbeiten.

Für mich persönlich würde eine Umstellung auf einen neuen oder anderen Simulator im Moment nicht in Frage kommen.


10. Deine Szenerien sind ja größtenteils kleinere GA-Plätze. Planst du auch mal größere Plätze umzusetzen?

Geplant in dieser Richtung ist von mir nichts. Das hat mehrere Gründe:
Es ist sehr schwierig an brauchbares Bildmaterial zu kommen, da auf größeren Plätzen bzw. Airports, die Sicherheit es kaum bis gar nicht zulässt, sich so zu bewegen, um alles auf Bildern festhalten zu können. Auf kleinen ist das einfacher. Da hat man schnell einen Verantwortlichen gefunden, dem man sein Anliegen erklärt und der einem auch persönlich weiterhilft. Ausgeschlossen ist aber nichts. Auch wenn ich selbst derzeit auf keinen der großen Plätze komme, könnte ich mir zumindest eine Mitarbeit vorstellen.  


11. Besuchst du alle deine Projekte im Vorfeld, also fährst du an den Platz um Fotos zu machen usw.?

Definitiv nein, zum Teil sind die Plätze gute 500 km von mir entfernt. Plätze wie etwa EDCJ Chemnitz, EDVY Porta Westfalica, EDVT Ithwiesen und der aktuellste im Bunde, EDBH Barth, sind ausschließlich nach Fotovorlagen entstanden, die man mir nach E-Mailanfragen und einigem Schriftwechsel extra für eine Umsetzung gemacht und zugeschickt hat.

In solchen Fällen werde ich zum Dienstleister und der Auftraggeber zum Bauleiter, das heißt, er wird in regelmäßigen Abständen auf den aktuellen Stand gebracht und erst wenn er der Meinung ist, das ist der Platz, so wie er ihn kennt, wird er dann zur allgemeinen Verfügung gestellt

12. Wie wichtig ist dir Anerkennung und der Kontakt zu deinen Fans?

Wie definiert man Anerkennung? Natürlich freue ich mich auch über das eine oder andere Lob und noch mehr, wenn es von "außerhalb der eigenen Reihen" kommt, aber es muß auch Kritik geben. Am Ende mache ich es, weil es mir Spaß macht und wieder ein unschöner oder weißer Fleck im Simulator verschwunden ist.
 

13. Ist es dir auch schonmal passiert, dass du ein Projekt aufgegeben hast?

Nein, glücklicherweise nicht, wobei ich bei der Umsetzung mit der einen oder anderen Sache zu kämpfen habe, aber ich denke dann ist genug Ergeiz vorhanden, um so lange dran zu arbeiten, bis es seinen Vorstellung entspricht.

 

Herzlichen Dank für dieses Interview Herr Zipfel.

Das Interview führten Jan-Ph. Heinisch und Daniel Heitepriem.

Wer mehr über die Arbeit von Thomas wissen möchte, dem sei das Forum der FS-Piloten empfohlen (siehe Link), in welchen Thomas Zipfel all seine Umsetzungen veröffentlicht. Wir werden hier in den nächsten Tagen noch einige seiner Werke vorstellen.

Bis dahin, danke fürs Lesen. tempelhofer und Semirben

Link FS-Piloten