Die Albatros Oeffag D.III von Aircraft Factory

Geschrieben von tempelhofer. Veröffentlicht in Flugzeuge

 

Vorwort

Ein altes Jagdflugzeug, der Propeller knattert und der Wind rauscht einem um das Gesicht. Vorausschauen und mitdenken müssen, damit das Flugzeug langsam dahin gebracht wird, wohin man es haben möchte, keine Elektronik die einen unterstützt oder die Arbeit abnimmt. Man spürt den Wind am Knüppel und den Pedalen. Und immer ein Ohr am Motor. Fliegen als Handarbeit mit allen Sinnen.

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So könnte man das Erlebnis mit diesem Flugmodell überschreiben. Ich möchte mich an dieser Stelle schon ganz herzlich bei A2A / Aircraft Factory, für die Möglichkeit bedanken, dieses Add-on eines Ersten-Weltkrieg-Fliegers erleben und testen zu können.

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Geschichtliches

Die Albatros D.III ein Jagdflugzeug des Ersten Weltkrieges, ist nichts wirklich Legendäres oder Besonderes, wenn man davon absieht, dass sie das zahlenmäßig am stärksten vertretende Flugzeug dieses Weltkrieges war. Von 1916 bis 1918 wurden ca. 1340 Maschinen gebaut. Nicht einmal der Name war einzigartig, da Albatros mehr eine Typenbezeichnung war, mit einer Versionsnummer versehen. Entwickelt wurden die Albatros D.I bis D.V .
Produziert wurden die Flugzeuge in den Albatros-Werken in Berlin-Johannisthal und in den Ostdeutschen Albatros-Werken (OAW) in Schneidemühl. Hinzu kamen die Lizenzbauten in Österreich-Ungarn, wo bereits seit dem 4. Dezember 1916 in der Österreichische Flugzeugfabrik AG in Wiener Neustadt die Albatros D.III als Lizenzbau produziert wurden. Da die Österreich- Ungarischen Flugzeuge einer deutlichen Modifikation unterlagen, bekamen sie eine etwas andere Modellbezeichnung. Das so entstandene Modell hieß offiziell Albatros (Oeffag) D.III oder kurz Oeffag D.III. Die Oeffag D.III galt als erfolgreicher und kampfstärker als ihr deutsches Original. Die Modifikationen bezogen sich hauptsächlich auf die Schwächen der deutschen D.III und auf die besonderen Anforderungen für Flugzeuge im Alpenkrieg. In die Oeffag D.III wurde ein leistungsstärkerer 185 PS Austro-Daimler Motor (Serie 53.0) eingesetzt und ihre Unterflügel wurden derart verändert, dass ein Flügelbruch wie beim Original fast ausgeschlossen werden konnte. Die Oeffag Maschinen galten als leicht zu fliegen, sehr stabil und gut bewaffnet. Eingesetzt wurde diese Maschinen bei den k.u.k. Luftfahrtruppen bis zum Ende des Krieges.

Aufgrund des Erfolges der Oeffag- Modelle, erscheint es logisch, dass die polnischen Designer Lucas und Tomasz genau dieses modifizierte österreichische Modell der Baureihe 253 für ein FSX aussuchten und designten. Herausgegeben wurden das Add-on dann über das A2A-Lable Aircraft Factory.

Kauf und Installation

Der Kauf geht wie bei A2A-Produkten recht problemlos vonstatten. Man kann das Add-on entweder über den A2A eigenen Shop oder über simMarket erwerben. Je nach Kaufort fallen für den Download US$12,99 bzw. 11,89 € an.
Nach dem Herunterladen findet man eine 147Mb große Archivdatei auf seiner Platte. Zur Installation muss lediglich die enthaltende EXE-Datei mit einem Installer ausgeführt und der Bestimmungsort eingefügt werden. Eine Seriennummer oder andere Sicherungsabfragen gibt es nicht.

Lieferumfang

Im Lieferumfang enthalten ist ein 20-seitiges englischsprachiges Manual. Dieses Manual beinhaltet neben Installationshinweisen, eine Einweisung in das Cockpit, viel Geschichtliches und Informationen über die mitgelieferten Paints.

Es wurden insgesamt 6 Paints mitgeliefert. Alle Paints haben einen historischen Ursprung. Das Paint der 253 entspricht dem Modell, welches in München Schleißheim flugtauglich nachgebaut wurde. 

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Exterior / Interior

Diese alten kleinen Jagdflugzeuge bzw. Flugzeuge generell aus dieser Zeit, waren sehr leicht gebaut. Das leichteste Baumaterial musste für ihre Konstruktionen herhalten. Aus diesem Grund weisen die meisten Flugzeuge dieser Zeit, ein sehr einheitliches und einfaches Äußere auf. In den meisten Fällen, wie hier auch, handelt es ich um holzbeplankte oder stoffbezogene Holzgerippe. Was die einzelnen Flugzeuge unterschied, waren ihre Gesamtform sowie die Art und Bauweise der Tragflächen.

Wie wurde jetzt das spezielle Äußere der Albatros Oeffag D.III umgesetzt? Rein äußerlich sehen alle mitgelieferten Paints deutlich und genau texturiert aus. Angebrachte Beschriftungen und Abzeichen sind gut lesbar und an den richtigen Stellen platziert. Die benutzte Textur hat eine ausreichende Auflösung und kann als hochauflösend bezeichnet werden. Das harmonische und gute Gesamtbild des Fliegers wird durch aufgesetzte Teile wie Lüfter oder Fußtritte usw. Unterstützt. Die Modellierung des Flugzeugrumpfes wurde für die Außenfläche anscheinend komplett glatt durchgeführt, obwohl es einige größere Objekte gibt, welche hervorstehen müssten. Hier müssen vor allem die eingearbeitet Metallplatten um den Motor und dir Frontpartie genannt werden. Diese wurden recht platt auf die Textur aufgelegt bzw. sind nur als Bild der Textur vorhanden. Dadurch wirkt die hochauflösende Textur an diesen Stellen teilweise etwas unecht.

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Der nächste Punkt ist die Bespannung der Flügel, hier ist die Farbe und Oberfläche für jedes Paint gut getroffen worden. Die Schwierigkeit besteht ja darin, diesen speziellen Lackstoff der Tragflächen im FSX umzusetzen. Dieses ist nach meinem heutigen Kenntnisstand, im FSX kaum möglich zu designen. Ich empfind die Tragflächen daher als gut texturiert. Was mich auch hier stört, ist die Modellierung. Die Flügel bestehen aus einem Holzgerippe, auf das der Stoff sehr eng und fest bespannt wurde. Die dabei entstehende typische „Wellenform" auf der Oberseite fehlt, zudem erscheint der Flügel im Vergleich zum Originalnachbau bzw. zu Originalbildern um einiges zu dick und zu wenig transparent. Eine derartige Kante, wie bei der Ausschneidung für den Piloten, ist im Original nicht vorhanden.

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Kommen wir jetzt zum Innenleben der Oeffag D.III . Das Cockpit ist dem Original recht gut nachempfunden. Es wurden alle Instrumente und Schalter wieder gegeben und an den korrekten Stellen platziert. Die Beschriftung wirkt manchmal etwas unscharf jedoch sehr gut lesbar. Das gesamte Cockpit wirkt gut und plastisch modelliert. Die 3-D-Instrumente gefallen mir hier besonders gut. Alle Schalter sind bedienbar und haben weitestgehend ihre Funktion. Die Maschinengewehre sind zwar modelliert und texturiert sind jedoch, was ich gut finde, nicht animiert.

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Sound & Animationen

Der Sound des Modells klingt sehr realistisch und authentisch, wenn man ihn mit dem Sound des Originalnachbaus vergleicht. Das charakteristische Nageln und Hämmern des Motors kommt gut rüber und man hat auch das Gefühl ab und zu einen Aussetzer zu hören. Also immer ein Ohr am Motor.

Beim Motor sind wir auch gleich beim Thema Animation. Der Motor ist sehr schön animiert, die Bewegung der Kolben ist sehr stimmig. Sogar das ab und zu auftretende Ausflammen wurde nachempfunden und ist sehr schön anzusehen. Als weitere Animation sind dann noch das Seitenruder sowie die Höhen- und Querruder zu nennen. Deren Bewegungen wurden sehr schön und deutlich dargestellt. Leider vermisse ich die Bewegung der Querruder im Flug, welche auf dem Boden deutlich zu erkennen ist. Selbst bei einem unnatürlichen maximalen Einschlagen, ist keine Animation zu erkennen.

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Flugverhalten

Das Flugverhalten erscheint mir gelungen und weitestgehend authentisch. Die Maschine lässt sich leicht und sicher steuern. Sie reagiert, jedoch nicht ganz wie es für derartige Flugzeuge üblich ist leicht verzögert, sondern sofort und sehr sensibel. Dieses würde ich jedoch nicht als Manko empfinden. Zum einen bin ich das Original nie geflogen, beziehe meinen Vergleich auf die Erfahrung aus anderen Modellen bzw. aus allgemeinen Flugberichten deutscher Piloten aus dieser Zeit und zum anderen werde FSXPiloten, welche nur „moderne" Flugzeuge fliegen, dieses als bekannt und sogar angenehm (weil vertraut) empfinden.

Ein weiterer Punkt fiel mir beim Landeanflug auf. Beim Landeanflug muss man rechtzeitig Fahrt rausnehmen, da sich diese leichten Maschinen, solange sie genügend Geschwindigkeit haben, schwer nach unten „drücken" lassen. Hier ist dann auch der einzige Punkt der mir im Flugverhalten nicht ganz so gefällt. Die Maschine scheint etwas zu kopflastig und damit schwerer händelbar im niedrigen Geschwindigkeitsbereich zu sein. Teilweise erscheint es mir, als ob die Flugzeugachse verschoben ist. Besonders bei Landungen war das bei mir bemerkbar, da dieses Verhalten ein gewohntes „ausgleiten" wenn nicht verhinderte so doch erschwerte. Verhindern konnte man dieses kofverhalten nur durch das beibehalten von minimalem Schub, was jedoch die Auslaufstrecke unnatürlich verlängert. Das Startverhalten und die Steigrate erscheinen mit plausibel und gut.

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Fazit

Das Fazit kann man auf einen Satz zusammenschreiben :

Die Albatros Oeffag D.III macht einfach nur Spaß!

Auch wenn mein Review hier einige Punkte aufzählt, die hätten besser gelöst werden können, so ist das Modell doch als „Gelungen" zu bezeichnen. Für Freunde von alten Probs und kleinen, alten Militärmaschinen ein Unbedingtes Musst-have. Zudem hat sie ein fast unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis, nur umsonst ist besser.

Ein ganz herzlicher Dank an die Designer Lucas und Thomasz für dieses schöne Modell.

Klare Kaufempfehlung!

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